Medellín. Eine Stadt, die lange Zeit als eine der gefährlichsten der Welt galt und heute einer der spannendsten Orte für Reisende, Expats und digitale Nomaden ist.
Ich war insgesamt 3 Wochen in Medellín als alleinreisende Frau unterwegs und habe hier genau das gemacht, was ich liebe: viel gearbeitet, meine Routinen durchgeführt, Cafés getestet, Coworking Spaces ausprobiert, nächste Reisen geplant und mir zwischendurch auch einfach erlaubt, mal anzukommen.
Und ganz ehrlich: Medellín hat mich überrascht. Positiv. Und zwar mehr, als ich gedacht hätte.
In diesem Medellín Kolumbien Guide teile ich meine ehrlichen Erfahrungen, praktische Tipps und alles, was ich gern vor meiner Reise gewusst hätte.

Medellín Kolumbien – Fakten, die du kennen solltest
Medellín ist die zweitgrößte Stadt Kolumbiens und liegt im Aburrá-Tal auf etwa 1.500 Metern Höhe. Genau deshalb ist das Klima hier so angenehm. Es ist das ganze Jahr über mild, tagsüber warm und abends angenehm frisch. Nicht umsonst wird Medellín auch die Stadt des ewigen Frühlings genannt.
Früher war Medellín bis in die 1990er Jahre hinein Synonym für Gewalt, Drogenkrieg und das Medellín-Kartell. Heute gilt die Stadt als eine der innovativsten Städte Südamerikas und wurde 2013 sogar vom Wall Street Journal als innovativste Stadt der Welt ausgezeichnet.
Was mich besonders überrascht hat: Medellín fühlt sich an, als wäre eine Großstadt direkt in den Dschungel gebaut worden. Überall Palmen, Parks, Bäume und Grünflächen. Es regnet fast täglich, oft nur kurz und heftig. Fun Fact: In einem Viertel kann es schütten und drei Straßen weiter scheint die Sonne.
Ja, es regnet oft. Kolumbien ist eines der regenreichsten Länder der Welt. Aber ehrlich: Ich fand das Klima extrem angenehm.

Anreise nach Medellín
Ich bin von Lima in Peru nach Medellín geflogen.
Wichtig zu wissen: Die Immigration am Internationalen Flughafen Medellín ist berüchtigt.
Bei mir hieß das:
- knapp 2 Stunden Schlange stehen – übrigens völlig normal dort (lade dir genügend Podcasts runter – zum Beispiel diesen 😉 )
- als Deutsche bekommst du 90 Tage visafrei
- ich musste kein Rückflugticket vorzeigen (um auf Nummer sicher zu gehen, solltest du dir aber immer ein Onward-Ticket im Falle aller Fälle kaufen)
Der internationale Flughafen liegt leider etwas außerhalb. Du solltest mit ca. 45 Minuten Fahrtzeit rechnen. Es gibt auch lokale Busse, aber ich habe mich abends, gegen 22 Uhr, für ein Uber entschieden: ca. 25 €, dafür aber sehr sicher, vor allem als Soloreisende.
Ich hatte vorher so viel Respekt vor der Anreise, aber als ich später in meinem AirBnb angekommen bin, dachte ich nur: Girl, du hast das gerade alles allein hinbekommen (kurzer stolz-auf-mich-Moment). Ja, die Angst war da, aber am Ende war alles viel einfacher als gedacht.
Welche Viertel in Medellín gelten als sicher?



Laureles – grün, ruhig & lokal
Laureles war mein erster Stopp in Medellín und ich habe dort eine Woche verbracht.
Das Viertel fühlt sich ruhig, lokal und sehr angenehm an. Breite Straßen, viel Grün, viele Cafés, Restaurants und kleine Läden. Hier leben viele Familien, Studierende und Expats. Es fühlt sich sicher an, sauber und entspannt.
Wenn du Medellín authentisch erleben willst und keinen Party-Fokus brauchst, ist Laureles eine gute Adresse.



El Poblado – modern, touristisch, digital-nomad-freundlich
El Poblado ist deutlich lauter, belebter, internationaler und touristischer als Laureles. Viele digitale Nomaden wohnen hier, vor allem rund um Manila und Provenza.
Rooftop Bars, Coworking Spaces, hochwertige Cafés und Restaurants findest du hier an jeder Ecke. Alles ist sehr gut fußläufig erreichbar. Und es ist verdammt GRÜN. Ich hab mich fast wie in Ubud in Bali gefühlt – nur mit Großstadt Vibes.
Gleichzeitig ist El Poblado sehr voll. Es gibt mehr Obdachlose und Bettler und die Preise sind deutlich höher als in anderen Vierteln. Trotzdem fühlte ich mich relativ sicher.
Unterkünfte in Medellín – meine Erfahrungen

Airbnb in Laureles
Ich habe eine Woche in einem Airbnb in Laureles gewohnt.
Ganze Wohnung mit Küche für etwa 30 Euro pro Nacht, inklusive offenem Coworking-Bereich, Restaurant im Haus inkl. Frühstück und kostenloser Waschmaschine (ein absoluter Segen, wie ich später noch feststellen durfte).
Der einzige Nachteil: Es war sehr laut, da das Apartment direkt an einer Hauptstraße lag. Preis-Leistung war trotzdem top, vor allem im Vergleich zu El Poblado.

Hostel Masaya in El Poblado
Wunderschönes und neues Hostel in El Poblado Medellín. Ich habe im Shared Ladies Dorm für nur 17 Euro pro Nacht geschlafen.
Rooftop mit Pool und Jacuzzi, eigene Coworking-Etage mit richtigen Büroräumen, tägliche Aktivitäten wie Salsa, Yoga und Spanischkurse.
Sehr zentral gelegen und perfekt, wenn du Anschluss suchst.



Hotel One in Provenza
Ich habe mir 1 Woche Luxus in diesem schönen neuen Hotel in El Poblado gegönnt. Eigene Badewanne, sehr stylisch, mitten im Grünen. Die Lage war absolut perfekt und in meinem Lieblingsviertel in El Poblado zwischen vielen Cafés, Restaurants, Spa’s und Läden.
Über Booking habe ich durch einen Deal nur etwa 50 Euro pro Nacht gezahlt, direkt im Hotel wäre es doppelt so teuer gewesen!!!

BeTogether Coworking & Coliving
Sehr schönes, großes Zimmer mit Blick ins Grüne, Gemeinschaftsküche, Waschmaschine und kostenfreie Nutzung des Coworking Spaces in einer absoluten Top Lage in El Poblado in Medellín.
Was mir leider etwas gefehlt hat, war eine echte Community. Aus Bali kannte ich Colivings mit viel mehr Austausch. Die Lage war aber top, mitten in Provenza und einem kleinen süßen Café, direkt am Coliving Space und Hotel.

Fortbewegung in Medellín
Medellín hat eines der besten öffentlichen Verkehrsnetze in Lateinamerika.
Die Metro in Medellín ist sicher, sauber und zuverlässig. Verbindungen werden sogar bei Google Maps angezeigt.
Eine Metro-Karte kostet 11.000 Pesos (ca. 2,50€) . Jede Fahrt kostet dann 3.400 Pesos, also nicht mal einen Euro. Ohne Karte kostet ein Ticket 4.000 Pesos (ca. 1€).
Die Karte kann auch mit bestimmten Bussen und Gondeln kombiniert werden und ist bis zu 1,5 Stunden nutzbar.
Uber & Indrive sind ebenfalls sehr günstig und eine gute Option, vor allem abends.
Sehenswürdigkeiten & Must-Dos in Medellín



Comuna 13
Ich habe zwei Touren durch die Comuna 13 gemacht. Früher war sie eines der gefährlichsten Viertel der Welt mit bis zu 7.000 Morden pro Jahr.
Heute fährst du Rolltreppen, siehst Street Art, hörst Musik und Kinder tanzen zu Reggaeton. Der Wandel ist hier extrem sichtbar und emotional.
Die erste Comuna 13 Tour habe ich über einen Reisepodcast entdeckt. Unser Guide Onofre ist selbst in der Comuna 13 aufgewachsen und hat den Bürgerkrieg als Kind erlebt. Keine Theorie, keine Bücher – sondern echtes Leben.
Wir waren sogar in der Wohnung eines Einheimischen, der von dieser schweren Zeit erzählt hat. In den Wänden waren noch Einschusslöcher zu sehen. Einer dieser Momente, in denen es plötzlich still wird und man realisiert, was diese Menschen wirklich durchgemacht haben.
Die Tour war sehr gut organisiert, inklusive verschiedener Transportmittel. Allerdings war unsere Gruppe ziemlich groß, sodass Onofre oft mehr mit Organisation beschäftigt war als mit Erzählen – etwas schade, denn man hat gemerkt, wie viel er eigentlich zu sagen hätte.
Zwischendurch fühlte sich die Tour fast wie eine kleine Pubcrawl an, da es an vielen Stopps Bier gab. Zusätzlich waren mehrere Streetfood-Stopps inklusive. Essen und Getränke waren komplett im Preis enthalten.
Unterm Strich: Das Preis-Leistungs-Verhältnis war absolut unschlagbar. Die Tour kannst du hier buchen.



Die zweite Tour habe ich hier über GetYourGuide gebucht.
Der Guide war ursprünglich aus Cartagena und nicht aus Medellín, konnte uns aber trotzdem viele Infos zur Comuna 13 und zur Zeit des Krieges geben.
Ich war im Nachhinein sehr froh, die Tour noch ein zweites Mal gemacht zu haben. Beim ersten Mal war alles so überwältigend, dass ich vieles gar nicht richtig einordnen konnte.
Mein persönlicher Favorit bleibt aber trotzdem die erste Tour.
Einfach, weil sie so authentisch war. Onofre ist kein klassischer Guide, sondern jemand, der diese Geschichte gelebt hat. Und ganz ehrlich: Er ist einfach ein verdammt cooler Typ.



Free Walking Tour in Medellín – unbedingt machen
Wenn du Medellín wirklich verstehen willst, dann mach unbedingt eine Free Walking Tour, am besten mit Real City Tours.
Diese Tour war für mich einer der wichtigsten Bausteine, um Medellín nicht nur zu sehen, sondern einzuordnen. Geschichte, Politik, Gesellschaft und der enorme Wandel der Stadt werden hier verständlich miteinander verknüpft.
Unser Guide war sehr reflektiert und hat einen Punkt ganz klar gemacht:
Pablo Escobar war kein Held.
Und es ist bis heute ein großes Problem, dass er in Medellín und auch international noch immer romantisiert und teilweise gefeiert wird. Die Tour hat sehr deutlich die dunklen Seiten beleuchtet: die extreme Gewalt, die Angst, in der ganze Generationen aufgewachsen sind, die Zerstörung von Familien und die langfristigen Traumata, die bis heute spürbar sind.
Besonders spannend fand ich den offenen Umgang mit dem Thema Escobar-Tourismus. Viele Reisende kommen mit einer Netflix-geprägten Vorstellung nach Medellín und genau das verzerrt die Realität dieser Stadt enorm.
Real City Tours geht hier bewusst einen anderen Weg. Sie bieten zwar auch Pablo-Escobar-Walking-Touren an, aber mit klarem Fokus auf das wahre Gesicht von Pablo Escobar. Keine Glorifizierung, kein Heldentum, kein Sensations-Tourismus.
Unser Guide hat auch erklärt, dass es leider viele andere Escobar-Touren gibt, die Pablo Escobar als eine Art Robin Hood darstellen und Gewalt, Leid und Opfer völlig ausblenden. Ganz ehrlich: Das fühlt sich falsch an.
Gerade deshalb fand ich die Herangehensweise von Real City Tours so wichtig. Sie zeigen Medellín als das, was es heute ist – eine Stadt, die sich aktiv von dieser Vergangenheit distanziert und ihren eigenen Weg geht.
Mein Fazit: Unbedingt eine Tour machen. Nicht für Sensationen, sondern um Medellín mit Respekt, Kontext und Verständnis kennenzulernen.



Tagesausflug nach Guatapé
Der Tagesausflug nach Guatapé war ein absolutes Highlight.
Der Fels von Guatapé ist ein 220 Meter hoher Monolith mit 702 Stufen. Absolut machbar. Die Aussicht ist atemberaubend.
Die Stadt Guatapé ist unglaublich bunt, sicher und wunderschön. Ein bis zwei Nächte lohnen sich hier definitiv.
Dazu kommt eine Bootsfahrt vorbei an ehemaligen Anwesen von Pablo Escobar (was übrigens heute der Regierung gehört und als Lost Place gilt) und ein Besuch bei Lamas.



Weitere Aktivitäten
- Botanischer Garten von Medellín, kostenfrei und gut mit der Metro erreichbar.
- Shopping in der Mall Oviedo.
- Kneipentour durch Provenza in El Poblado.
- Fußballspiel im Stadion von Medellín schauen.
- Chiva Party Bus für einen Abend mit Musik und Tanz.
Einkaufen & Supermärkte
Es gibt viele große Supermärkte mit europäischen Preisen.
Discounter Tipp: D1. Deutlich günstiger und perfekt für den Alltag.
Es gibt auch super viele Shops die mich total an die Spätis in Berlin erinnert haben: hier kannst du dir Drinks kaufen, draußen stehen Tische & Stühle und du kannst dich mit dem Getränk einfach mit Freunden hinsetzen. Natürlich läuft auch ordentlich Reggaeton.
Essen in Medellín & typische Gerichte in Kolumbien



Buñuelos, oft gefüllt mit Käse, Schokolade oder Arequipe.
Bandeja Paisa, die berühmte Mischung aus allem.
Cazuela de Frijoles, Bohneneintopf mit Chicharrón.



Arepas zum Frühstück.
Obleas als süßes Dessert.
Empanadas und Papa Rellenos
Tinto, schwarzer kolumbianischer Kaffee.
Und natürlich Avocados und kolumbianischer Kaffee!!!
Geld & Kosten in Medellín
Geld wechseln ist an vielen Ecken möglich und oft zu guten Kursen.
Abhebungen am Automaten kosten meist etwa 5 Euro Gebühr.
Kartenzahlung ist fast überall möglich, oft fallen jedoch Kreditkartengebühren von 5 bis 8 Prozent an.
Wichtig zu wissen: Medellín ist nicht günstig, vor allem El Poblado ist deutlich teurer als andere Viertel.



Was ich gern vorher gewusst hätte
- Leitungswasser ist in Medellín trinkbar.
- Du brauchst einen Steckdosenadapter.
- Es regnet fast täglich, eine Regenjacke gehört immer in den Rucksack.
- Sonntags werden viele Hauptstraßen gesperrt und für Radfahrer, Skater und Spaziergänger freigegeben.
- Meine Claro SIM aus Peru hat problemlos funktioniert, ließ sich in Medellín aber nicht bezahlen. Sie wurde mir letztendlich gesperrt und ich bin auf eine E-Sim von Airalo umgestiegen
Fazit: Lohnt sich Medellín Kolumbien?
Ja. Aber nicht blind romantisieren.
Medellín ist: grün, kreativ, modern und perfekt für digitale Nomaden.
Aber:
- nicht billig
- Sicherheit bleibt ein Thema
- man braucht gesunden Menschenverstand
Für mich war Medellín ein Ort, um runterzukommen, zu arbeiten und Klarheit zu finden.
Und genau dafür war es perfekt. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, hier langfristig als Digitale Nomadin zu leben.
👇 Hier geht’s zur dazugehörigen Podcastfolge
Du magst’s lieber zum Hören? In meiner Podcastfolge erzähle ich, wie es wirklich war, Medellín in Kolumbien zu erleben – inklusive kleiner Anekdoten und Einblicke hinter die Kulissen. 🎙️







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